EXPERTENMEINUNGEN

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen

Stellungnahme des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) sowie des Verbandes Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (VPP im BDP) zum Dokumentarfilm „Elternschule“

Im Dokumentarfilm „Elternschule“ wird der Arbeitsalltag in der Abteilung für pädiatrische Psychosomatik der Kinder- und Jugendklinik in Gelsenkirchen dargestellt. Dort werden Babys und Kinder mit psychischen und psychosomatischen Störungen, insbesondere mit Regulationsstörungen, Asthma und Neurodermitis, zusammen mit ihrer Hauptbezugsperson und ggf. Geschwistern stationär aufgenommen.

Im Film wird vorrangig die psychotherapeutische Behandlung, sowie die Anamnese und Nachbehandlung dargestellt. Es lässt sich vermuten, dass im Vorfeld eine ausführliche Diagnostik durchgeführt wurde, was im Film allerdings nicht dargestellt wird. Die psychotherapeutische Behandlung basiert augenscheinlich auf einem verhaltenstherapeutischen Konzept, welches auf der Grundlage von wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen und jahrelanger Erfahrung durch das Behandlerteam umgesetzt wird. Es handelt sich nicht um „Erziehungstipps für jedermann“ oder ein pädagogisches Konzept, welches für Schulen, Kindergärten o.ä. Anwendung finden würde.

Der Titel „Elternschule“ ist insoweit also etwas irreführend. Im Gegenteil, Eltern und Kind werden für bestimmte Therapiesequenzen sogar voneinander getrennt. Der Grund hierfür ist die Durchbrechung eines Teufelskreises, einer Wechselwirkung zwischen Eltern und Kind, die immer wieder zur Eskalation führt. Während die Eltern in Seminaren den theoretischen Hintergrund erläutert bekommen (die sog. Psychoedukation) und in Elterngesprächen den aktuellen Stand, ihre Sorgen und Ängste sowie die nächsten Schritte erörtern, wird mit den Kindern parallel gearbeitet. Sie werden von unaufgeregten, geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Klinik-Teams dabei begleitet, durch Erfahrung zu lernen, dass das „Störverhalten“ nicht mehr die gewünschte Wirkung entfaltet. Durch den Wegfall der Verstärkung des Störverhaltens wird dieses gelöscht und das Kind kann neue Verhaltensmuster entwickeln. Diese können im Einzelfall „hart“ wirken, aber dem betroffenen Kind wird die Möglichkeit geben, neue Erfahrungen zu machen und sich weiterzuentwickeln. Die Kinder im Film lernen Schritt für Schritt, sich stressfrei von einem Elternteil zu lösen, eigenständig und zu festen Zeiten Mahlzeiten zu essen und nachts im eigenen Bettchen zu schlafen.

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